Veranstaltungen der Versöhnungskirche

Veranstaltungen

Herbst- und Winterprogramm 2017/2018

Veranstaltungen der KZ-Gedenkstätte Dachau

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ / Fahrradrundfahrt zu den Dachauer „Stolpersteinen“

24.09.17 / 15:00   Treffpunkt: Parkplatz, Bahnhofsplatz Dachau

Seit 2005 sind in Dachau 15 Gedenksteine vor den letzten selbst gewählten Wohnorten von NS-Opfern verlegt worden. Bei einer Fahrradtour wird ein Großteil der Dachauer Stolpersteine aufgesucht. Brigitte Fiedler erzählt vor Ort die Lebensgeschichten. Anmeldung erforderlich bis 19.9.17, Tel. 081 31/996 88-0 oder info@dachauer-forum.de. Kooperation: Dachauer Forum und Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau

Die Geschichte der SS – Überblick und Täterbiographien / Vortrag

11.10.17 / 19:30   Gesprächsraum der Versöhnungskirche

Die sogenannte Schutzstaffel der NSDAP war die gewalttätigste Terrororganisation im NS-Staat. Nach innen verstanden sich die Männer der SS als elitäre Auslese, nach außen agierten sie als rücksichtsloser Verfolgungsapparat gegen jeden, der nicht in ihr rassistisches Weltbild passte. Als Gestapo-Beamte, als KZ-Personal und als Kriegsverbrecher trugen SS-Mitglieder die Verantwortung für Terror und Massenmord. Der Vortrag fragt anhand ausgewählter Biographien nach dem Selbstbild und Kult der SS, der Funktion ihres Terrorapparates und den konkreten Verbrechen einzelner SS-Mitglieder. Referent: Dr. Dirk Riedel, Historiker, NS-Dokumentationszentrum München. Kooperation: Dachauer Forum, Katholische Seelsorge, KZ-Gedenkstätte Dachau

„So müssen wir sie wie die tollen Hunde aus jagen“ / Vortrag über Luthers Judenschriften und die Nazis innerhalb und außerhalb der Kirche

18.10.17 / 19:30   Gemeindesaal, Friedenskirche Dachau, Uhdestraße 2

In seiner Spätschrift „Von den Juden und ihren Lügen“ hetzte Martin Luther gegen Menschen jüdischen Glaubens. Der Antisemitismus der NS-Zeit, vor allem das Hetzblatt „Der Stürmer“, aber auch die „Deutschen Christen“ (DC) innerhalb der evangelischen Kirche bezogen sich direkt auf ihn. Schon der 450. Geburtstag Luthers im November 1933 wurde propagandistisch instrumentalisiert. DC-Theologen sahen gar im Pogrom von 1938 eine Befolgung von Luthers Ratschlägen: „an Luthers Geburtstag brennen in Deutschland die Synagogen“. Andere Protestanten wie der bayerische Landesbischof Hans Meiser orientierten sich eher an Luthers frühen Judenschriften, die noch zu werbender Judenmission statt zur Vertreibung aufgerufen hatten. Aber auch dieser „gut gemeinte Antisemitismus“ innerhalb der Bekennenden Kirche festigte letztlich die Basis für die Akzeptanz judenfeindlicher Haltungen. Der Vortrag von Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker, behandelt zentrale Äußerungen Luthers über die Juden und deren Rezeption in der NS-Zeit. Kooperation: Evangelisch-Lutherische Friedenskirche Dachau

NS-Dokuzentrum Köln und NS-Dokumentation in Vogelsang / Gedenkstättenfahrt

27.10.17  -  29.10.17   

Im ehemaligen Haus der Gestapo wurde 1988 ein NS-Dokumentations- und Forschungszentrum errichtet, in dem auch die Dauerausstellung „Köln im Nationalsozialismus“ untergebracht ist. 2016 wurde die NS-Dokumentation in Vogelsang (Eifel) eröffnet. Die Ordensburg Vogelsang wurde 1934 bis 1941 für „Führernachwuchs“ errichtet. Ausschreibung unter Tel. 081 31/996 88-0, es besteht derzeit eine Warteliste.

KZ-Überlebender, Titos Dolmetscher und Schriftsteller / Zeitzeugengespräch mit Ivan Ivanji zum 79. Jahrestag der Pogromnacht

08.11.17 / 19:00   Rathaus, Konrad-Adenauer-Straße 2-6, Dachau

In diesem Jahr kommt zur Gedenkveranstaltung aus Belgrad als Ehrengast und Zeitzeuge Ivan Ivanji (88). Er wuchs dreisprachig mit Serbisch, Ungarisch und Deutsch im multiethnischen Banat auf. Als jüdischer Jugendlicher überlebte er die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald und wurde später Journalist, Titos Dolmetscher, Diplomat und Schriftsteller. Viele Werke des überzeugten Jugoslawen haben autobiographische Bezüge, zuletzt „Mein schönes Leben in der Hölle“ (2014) und „Schlussstrich“ (2017). Die musikalische Gestaltung des Abends übernimmt das Jugendsinfonieorchester Dachau unter Leitung von Gudrun Huber mit Werken von Josip Slavenski, John Williams und Joseph Haydn. Trägerkreis Pogromnachtgedenken in Dachau

„Buch der Erinnerung“ des Bayerischen Fußballs / Projektpräsentation

09.11.17 / 11:00   Gesprächsraum der Versöhnungskirche

Unter den NS-Verfolgten befanden sich auch viele Angehörige von Fußballvereinen: aktive Spieler, Funktionäre, Schiedsrichter, Förderer und einfache Mitglieder. Deshalb hat der Bayerischer Fußball-Verband gemeinsam mit der Initiative „!Nie Wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ das virtuelle Projekt „Buch der Erinnerung“ ins Leben gerufen. Alle bayerischen Fußballvereine sind aufgerufen mitzuhelfen, die Seiten des Buches mit Biographien zu füllen. Die ersten vier Beiträge werden bei der Präsentation der Öffentlichkeit vorgestellt. Charlotte Knobloch, Shoah-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat ihr Kommen zugesagt. Kooperation mit Stadtarchiv München, FC Bayern Erlebniswelt, Bayerischer Fußballverband

„Auf dem Appellplatz … durfte jetzt an freien Sonntagen Fußball gespielt werden“ / Führung zu Fußball im KZ Dachau

11.11.17 / 14:00   Beginn: Besucherzentrum, KZ-Gedenkstätte Dachau

Der Dachau-Überlebende Ferdinand Hackl schrieb in einem Zeitzeugenbericht: „Auf dem Appellplatz, wo Häftlinge täglich schikaniert und sehr oft auch zu Tode gequält wurden ..., durfte jetzt an freien Sonntagen Fußball gespielt werden. Diese Spiele halfen den spielenden und auch den zuschauenden Häftlingen, ihr Leid und den Hunger – zumindest für die Zeit des Fußballspiels – ein wenig zu vergessen“. Neben Kurt Landauer, Präsident des FC Bayern, wurden 16 Vereinsmitglieder ins KZ Dachau verschleppt. Von Häftlingen, die dem Fußball verbunden waren, erzählen Diakon Klaus Schultz und Andreas Wittner von der Erlebniswelt des FC Bayern bei dem Rundgang. Außerdem wird nach dem Umgang der Fußballvereine mit diesem Teil ihrer Geschichte nach 1945 gefragt. Die KZ-Gedenkstätte Dachau erbittet wie bei jeder ihrer Themenführungen eine Teilnahmegebühr von 4 €.

Ein schwieriges Erbe – Die Reformation und die Juden / Studientag

12.11.17 / 11:00 - 17:00   Gesprächsraum der Versöhnungskirche

Wenn es um Juden und das Judentum in der Reformationszeit geht, konzentriert sich die öffentliche Wahrnehmung meist auf Äußerungen Martin Luthers. Weniger Beachtung finden die Vorstellungen, die andere Reformatoren wie etwa Philipp Melanchthon und Martin Bucer dazu entwickelten. Der Studientag vergleicht die Positionen und untersucht, welche Funktionen die Rede über „die Juden“ und „das Judentum“ damals hatte. Zudem geht es um die Rezeptionsgeschichte von Luthers „Judenschriften“ und um die Frage, welche Schlussfolgerungen wir heute aus dem Judenbild der Reformatoren ziehen. Der Studientag beginnt mit einem öffentlichen Themengottesdienst um 11 Uhr. Für das anschließende Programm mit Vorträgen und Workshops (vgl. www.christlich-juedisch.de) wird um Anmeldung gebeten bis zum 31.10. unter info@christlich-juedisch.de oder Tel. 089/521613, Teilnahmegebühr 15 €. Kooperation: Theologische Arbeitsgemeinschaft im christlich-jüdischen Dialog e.V. und Dachauer Forum

„Ich will die Wahrheit“ / Podiumsgespräch zum Stand der Aufarbeitung im NSU-Prozess und zu Erfahrungen von Opfer-Familien

16.11.17 / 19:30   Gesprächsraum der Versöhnungskirche

Seit Mai 2013 werden die zehn NSU-Morde in München verhandelt, noch im Jahr 2017 wird mit den Urteilen gerechnet. Robert Andreasch, im Prozess akkreditierter Journalist, beobachtet seit Beginn die Verhandlungen. Wie sich der Prozess entwickelte, welche Fragen gestellt wurden und welche Antworten offen blieben, davon wird er berichten. Yavuz Narin, der die Angehörigen von Theodoros Boulgarides als Anwalt vertritt, spricht über die Bedeutung des Prozesses für die Opfer-Familien. Für sie geht es im NSU-Prozess nicht nur um Schuld oder Unschuld der Angeklagten, sie wollen wissen, warum die Mordserie so spät aufgedeckt und gestoppt wurde. Kooperation: Lagergemeinschaft Dachau, Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau

Verleugnung / Filmgespräch über rechtsextreme Geschichtsklitterungen

29.11.17 / 19:00   Kino Cinema Dachau, Fraunhoferstraße 5

Die amerikanische Universitätsprofessorin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) wirft dem britischen Autor David Irving (Timothy Spall) die Verleugnung des Holocausts vor. Der verklagt sie daraufhin und veranlasst, dass der Prozess in England stattfindet. Durch das britische Justizsystem muss die Historikerin Lipstadt quasi beweisen, dass der Holocaust tatsächlich stattgefunden hat. Irving argumentiert im Prozess mit Faktenverdrehungen. In Zeiten, in denen ein absurder Begriff wie „alternative Fakten“ üblich wird, ist dieser analytische Film von Mick Jackson über den Prozess vor 17 Jahren wichtig – auch im Blick auf den rechtsextremen Geschichtsrevisionsmus, der die NS-Verbrechen in Dachau und an anderen Orten verharmlost und eine ganz andere Geschichtspolitik fordert. Nach der Filmvorführung (110 Minuten) wird im Kinosaal ein Nachgespräch angeboten. Kooperation: Cinema Dachau - Kartenreservierungen im Kino unter Tel. 08131/26699

Die Abwertung von Menschen mit Behinderung – Erscheinungsformen und Gegenmaßnahmen / Vortrag

07.12.17 / 19:00   Ludwig-Thoma-Haus, Augsburger Straße 23, Dachau

Ob im Gesundheitswesen, der politischen Arbeit oder im Alltag – Menschen mit Behinderung sind noch immer mit zahlreichen Benachteiligungen konfrontiert, die ihr Leben erheblich beeinträchtigen. Zudem werden sie nicht selten auf ihre Behinderung reduziert. Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V., zeigt in ihrem Vortrag anhand von Fallbeispielen die Folgen dieser Abwertung auf. Außerdem macht sie deutlich, wie der Staat, aber auch jede und jeder Einzelne dieser Form von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegenwirken kann. Runder Tisch gegen Rassismus Dachau e. V.

Verleihung des Dachau-Preises für Zivilcourage

10.12.17 / 11:00   Rathaus, Konrad-Adenauer-Straße 2-6, Dachau

Der Dachau-Preis für Zivilcourage wurde von der Stadt Dachau 2005 gestiftet. Mit ihm ehrt die Stadt Menschen, „die sich mit Mut, Phantasie und Engagement für die Rechte von Verfolgten und von diskriminierten Minderheiten einsetzen.“ Geehrt wird 2017 der Sozialrichter Dr. Jan-Robert von Renesse aus Nordrhein-Westfalen, der für Rentenzahlungen an überlebende Zwangsarbeiter aus den NS-Ghettos gestritten hat und dabei politischen Druck und berufliche Nachteile in Kauf nahm.

Wie erinnerte die Universität München von 1945 bis 1968 an die Weiße Rose? / Buchvorstellung

18.01.18 / 19:30   Gesprächsraum der Versöhnungskirche

Der Entscheidung, welcher Ereignisse und Personen man fortan in Deutschland gedenken wolle, kam nach 1945, nach den Schrecken der NS-Herrschaft, eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Suche nach sinnstiftenden, positiven Aspekten der Vergangenheit spielte dabei eine Rolle. Auch die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität beschäftigte sich in der Nachkriegszeit mit ihrer eigenen jüngsten Geschichte, wobei der Widerstand der Weißen Rose rasch ins Zentrum rückte. Mit den Anfängen, der Entwicklung und dem vorläufigen Ende der universitär betriebenen Erinnerung an die Widerstandsgruppe setzt sich das Buch „Die Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an den Widerstand der Weißen Rose an der Ludwig-Maximilians-Universität München von 1945 bis 1968“ auseinander. Die Autorin Simone König, Geschichtslehrerin am Sophie-Scholl-Gymnasium in München, stellt an dem Abend wesentliche Ergebnisse ihrer 2017 erschienenen Studie vor – auch als Einstimmung auf die Gedenkveranstaltungen, die 2018 an die Ermordung der Mitglieder der Weißen Rose durch die NS-Justiz vor 75 Jahren erinnern. In der Versöhnungskirche wird am Sonntag, 25. Februar, 11 Uhr, im Gottesdienst der 75. Todestag von Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst thematisiert. Nähere Informationen zu den Veranstaltungen in München unter www.weisse-rose-stiftung.de. Kooperation: Katholische Seelsorge

„Nie wieder“ / Erinnerungstag im deutschen Fußball

26.01.18  -  28.01.18   

Der Anstoß zur „Initiative Erinnerungstag im deutschen Fußball“ ging 2004 von der Versöhnungskirche aus. In enger Kooperation mit Faninitiativen, dem DFB und der DFL sind zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus rund um den 20. Spieltag Aktionen in den Stadien der beiden Bundesligen geplant. Nähere Informationen unter www.niewieder.info oder www.versoehnungskirche-dachau.de/kirche/pages/Aktuell.php

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus / Zeitzeugengespräch

27.01.18 / 19:00   Ludwig-Thoma-Haus, Augsburger Straße 23, Dachau

Der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird in Deutschland seit 1996 als „Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen. In Dachau ist dazu ein Zeitzeugengespräch geplant. Trägerkreis NS-Opfer-Gedenktag in Dachau

„Ich hatte eine wunderschöne Kindheit – ab zehn“ / Zeitzeugengespräch mit der Auschwitz-Überlebenden Ruth Melcer

08.02.18 / 19:30   Karmel Heilig Blut Dachau, Alte Römerstraße 91

Ruth Melcer verbrachte ihre ersten Lebensjahre im polnischen Tomaszów Mazowiecki. Als die Deutschen 1939 ihre Heimatstadt besetzten, war sie vier Jahre alt, ihr Bruder Mirek zweieinhalb. 1942 musste die Familie ins Ghetto umziehen, nach dessen Auflösung kam sie ins Zwangsarbeitslager Bli?yn, wo der jüngere Bruder 1943 ermordet wurde. 1944 wurde die Familie nach Auschwitz deportiert. Dass sie und ihre Eltern dort überlebt haben, gleicht einem Wunder. Ein Kapo namens Olga nahm das hübsche Kind in ihre Obhut, gab ihr zusätzliches Essen und versteckte sie vor Josef Mengele, der Kinder für seine menschenverachtenden Experimente suchte. Die Befreiung am 27. Januar 1945 erlebte die neunjährige Ruth auf sich allein gestellt. Doch in Tomaszów Mazowiecki traf die Familie wieder aufeinander. Nach dem Pogrom von Kielce am 4. Juli 1946 beschloss der Vater, Polen endgültig zu verlassen. Zunächst lebte die Familie in Berlin, von 1948 an in München. „Ich hatte eine wunderschöne Kindheit“, sagt Ruth Melcer, „ab zehn.“ 1951 ging sie nach Tel Aviv, kehrte 1954 zurück und machte eine Ausbildung zur Chemielaborantin. Schließlich lernte sie ihren Mann Jossi kennen, mit dem sie nach Augsburg zog und drei Kinder bekam. Heute lebt sie wieder in München. 2015 veröffentlichte sie gemeinsam mit Ellen Presser „Ruths Kochbuch – Die wunderbaren Rezepte meiner jüdischen Familie“. Ein Ensemble des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums wird den Abend musikalisch gestalten. Kooperation: Karmel Heilig Blut Dachau und Katholische Seelsorge