Aktion Sühnezeichen in der Versöhnungskirche

Seit 1979 gehören jeweils bis zu zwei Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zum Team der Evangelischen Versöhnungskirche. Neben der Mitarbeit in der Versöhnungskirche arbeiten sie auch noch im Projekt „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“. Beim Förderverein für intern. Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit und in der KZ-Gedenkstätte Dachau wird eine projektbezogene Mitarbeit erwartet (Betreuung von ehemaligen Häftlingen, Übersetzungen etc.). Neben Führungen durch die KZ-Gedenkstätte, ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit die Vorbereitung und Durchführung der 2-wöchigen internationalen Jugendbegegnung im Sommer in Dachau.

Unsere derzeitigen Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen

Sandra kommt aus Großbritannien und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Ich heiße Sandra und bin 21 Jahre alt. Ich habe im Juli 2016 meinen Bachelor in Englische Literatur und Geschichte abgeschlossen und wollte danach unbedingt ein soziales Jahr machen. Zudem habe ich mich auch immer für Zeitspannen interessiert, indem eine Minderheit über einer Mehrheit herrscht. Ich finde es wichtig, darüber etwas zu wissen. Als ich dann die Chance bekam, mit ASF für ein Jahr in der Versöhnungskirche in Dachau zu arbeiten, kam es mir als perfekt vor. Ich konnte hiermit sozusagen zwei meiner großen Interessen zusammenbinden.

Außerdem gibt dieses Jahr mir die Chance mich mit der deutscher Seite meine eigene Geschichte mehr zu beschäftigen. Ich bin durch meine Herkunft halb Engländerin, halb Deutsche, habe aber bisher meinen Schwerpunkt immer auf englische Geschichte gelegt, besonders auf die Zeit des Mittelalters. Deshalb freue ich mich, diesem Jahr etwas tiefer in einen etwas neueren Teil deutscher Geschichte eintauchen zu können.

Ich freue mich auch, dass ich durch die Führungen, die ich später machen werde, die Möglichkeit bekomme, einen Teile meiner neuen Kenntnissen und Erfahrungen weiterzugeben. Ich finde es sehr wichtig, dass wir unsere Geschichte nicht vergessen und darüber nachdenken, um davon zu lernen.

 

Valeriia kommt aus der Ukraine und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Im Sommer 2016 habe ich mein Studium Englische Linguistik abgeschlossen. Ich habe nachgedacht, dass ein Jahr in Dachau eine gute Idee ist. Ich bin mir sicher, dass die Zeit erkenntnisreiche und kommunikative werden wird.

In dieser Zeit kann ich viel über den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus erfahren. Ich interessiere mich sehr für die biographische Geschichte von Menschen, die diese Zeit überlebt haben, weil es auch sehr mit meinem Land verbunden ist. In der Ukraine hatte das NS-Regime große Auswirkungen und Folgen für die Menschen, auch auf mein Land. In Kiew gibt es einen Platz, der Babiy Yar heißt. Dort wurden tausende von jüdischen Menschen aus der Ukraine und aus anderen Ländern ermordet. Die Nazis trieben sie auf diesen Platz und erschossen sie. Es war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, sich an diese Ereignisse zu erinnern und es nicht zu vergessen.

Abschlussberichte von ASF-Freiwilligen

Agathe Halmen, Rumänien

Maurycy Przyrowski, Polen

Jan Kwiatkowski, Polen

Lynn Williams, USA

Larissa Levanova, Russland

Aleksandra (Ola) Kozyra, Polen

Ian Maloy, Wales

Sarah Heim, USA

Redebeiträge bei Gedenkfeiern

Lera Plontnyk, Ukraine

Agathe Halmen, Rumänien

Maurycy Przyrowski, Polen

Maya Bakulina, Russland

Jan Kwiatkowski, Polen

Ljuba Vaserina, Belarus

Roy Scivyer, England

Irina Grinkevich, Belarus

Teresa Walch, USA

Daniiela Pashko, Ukraine

Mitarbeit in der Aktion Sühnezeichen

Freiwillige können in der Regel am 1.9. mit ihrem Dienst beginnen. Interessentinnen und Interessenten wenden sich bitte an die

Evangelische Versöhnungskirche
in der KZ-Gedenkstätte
Alte Römerstr. 87
85221 Dachau

oder direkt an

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Auguststr. 80
10117 Berlin
www.asf-ev.de

Die Arbeit des Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.

1958 wurde auf der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland folgender Aufruf verlesen:

"Wir Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg begonnen und schon damit mehr als andere unmeßbares Leiden der Menschheit verschuldet; Deutsche haben in frevlerischem Aufstand gegen Gott Millionen Juden umgebracht. Wer von uns Überlebenden das nicht gewollt hat, der hat nicht genug getan, es zu verhindern (...) Wir haben vornehmlich darum noch keinen Frieden, weil zuwenig Versöhnung ist ... Aber noch können wir, unbeschadet der Pflicht zu gewissenhafter politischer Entscheidung, der Selbstrechtfertigung, der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft entgegensetzten."

Dieser Aufruf war die Gründung der Aktion Sühnezeichen, die seitdem versucht, durch konkrete Freiwilligendienste im In- und Ausland der Versöhnung und damit der Überwindung von Hass, Angst und Gleichgültigkeit etwas näher zu kommen. Dies soll realisiert werden durch konkrete Arbeit in den Ländern, die während des Zweiten Weltkrieges von Deutschland überfallen wurden.

Erste Projekte

Die ersten Projekte begannen 1959. Damals arbeiteten die Freiwilligen vor allem an Bauprojekten mit, z.B. an einer Synagoge in Villeurbanne bei Lyon, oder einer Kirche und einem Blindenheim in Norwegen.

Soziale Arbeit

Ab Mitte der sechziger Jahre trat die soziale Arbeit in den Vordergrund. Die Freiwilligen arbeiten heute bei der Betreuung von Holocaust-Opfern, in Einrichtungen für Behinderte, mit Menschen, die Opfer heutiger gesellschaftlicher Zustände sind und in Gedenkstätten.

Die Arbeit heute

Heute arbeiten etwa 180 ASF-Freiwillige für ein Taschengeld 12 Monate in Israel, Norwegen, in den Niederlanden und in Belgien, in Rußland, Weißrußland, Polen, in der Tschechischen Repulik, in den USA, in Bosnien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Der Friedensdienst mit ASF wird für Wehrdienstverweigerer als sogenannter anderer Dienst im Ausland anerkannt.

Neben den längerfristigen Diensten bietet ASF auch die Möglichkeit zur Mitarbeit in zwei- bis dreiwöchigen Workcamps im In- und Ausland an.

Seit 1979 ist die Evangelische Versöhnungskirche Träger von zwei Freiwilligenstellen.

Die Menschen hinter der Geschichte - Gespräch mit ASF-Freiwilligen

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