Aktion Sühnezeichen in der Versöhnungskirche

Seit 1979 gehören jeweils bis zu zwei Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zum Team der Evangelischen Versöhnungskirche. Neben der Mitarbeit in der Versöhnungskirche arbeiten sie auch noch im Projekt „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“. Beim Förderverein für intern. Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit und in der KZ-Gedenkstätte Dachau wird eine projektbezogene Mitarbeit erwartet (Betreuung von ehemaligen Häftlingen, Übersetzungen etc.). Neben Führungen durch die KZ-Gedenkstätte, ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit die Vorbereitung und Durchführung der 2-wöchigen internationalen Jugendbegegnung im Sommer in Dachau.

Unsere derzeitigen Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen

Beata kommt aus Polen und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Ich heiße Beata, bin 26 Jahre alt und komme aus Warschau. Ich habe Kulturwissenschaft an der Warschauer Universität studiert und 2016 mit meiner Masterarbeit das Studium abgeschlossen.

Ich interessiere mich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, Holocaust Studies und die Erinnerungskultur. Deshalb denke ich, dass Deutschland mit seiner komplizierten Geschichte, ein perfekt Land ist, um meine Kenntnisse auf diesen Gebieten zu vertiefen. Es ist nicht meine erste Erfahrung in Deutschland – in 2012/13 habe ich ein Semester in Tübingen studiert.

Ich wollte meine Freiwilligendienst in dem KZ-Gedenkstätte Dachau machen, um die Geschichte des 20. Jahrhundert besser zu verstehen. Ich freue mich, dass ich nach einem Ausbildungskurs bald Rundgänge durch der Gedenkstätten machen werde, damit ich neben meiner Arbeit im Gedächtnisbuchprojekt eine Möglichkeit bekomme, mich aktiv in der Erinnerung des Zweiten Weltkrieges und seinen Auswirkungen zu engagieren.

Ich glaube an die polnische-deutsche Versöhnung und will mich für diese Idee aktiv einsetzen.

Maja kommt aus den USA und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Mein Name ist Maja und ich bin 18 Jahre alt. Bevor ich auf die Universität gehe, wollte ich ein Jahr im Ausland leben. Ich bin nach Deutschland gekommen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern und das Leben hier zu erleben. Das ist deshalb sehr wichtig für mich, weil meine Mutter aus Deutschland kommt. Als ich von dem ASF-Programm erfahren habe, hat es mich sehr interessiert, da ich ein großes Interesse für Geschichte und Soziale Gerechtigkeit habe. Das Jahr ermöglicht mir auch, meine deutsche Vergangenheit besser kennenzulernen und zu verstehen, was es heißt, Deutsch zu sein.

Ich habe nicht viel Erfahrung mit dieser Geschichte, aber bin sehr neugierig. Ich will mich auf dieses komplexe und aktuelle Thema einlassen und mein Wissen über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg erweitern. Ich will aber auch die deutsche Kultur besser verstehen und über andere Kulturen etwas lernen. Wichtig sind mir aber auch globale aktuelle Ereignisse und ihre Verbindung zur Vergangenheit besser verbinden zu können.

Abschlussberichte von ASF-Freiwilligen

Agathe Halmen, Rumänien

Maurycy Przyrowski, Polen

Jan Kwiatkowski, Polen

Lynn Williams, USA

Larissa Levanova, Russland

Aleksandra (Ola) Kozyra, Polen

Ian Maloy, Wales

Sarah Heim, USA

Redebeiträge bei Gedenkfeiern

Lera Plontnyk, Ukraine

Agathe Halmen, Rumänien

Maurycy Przyrowski, Polen

Maya Bakulina, Russland

Jan Kwiatkowski, Polen

Ljuba Vaserina, Belarus

Roy Scivyer, England

Irina Grinkevich, Belarus

Teresa Walch, USA

Daniiela Pashko, Ukraine

Mitarbeit in der Aktion Sühnezeichen

Freiwillige können in der Regel am 1.9. mit ihrem Dienst beginnen. Interessentinnen und Interessenten wenden sich bitte an die

Evangelische Versöhnungskirche
in der KZ-Gedenkstätte
Alte Römerstr. 87
85221 Dachau

oder direkt an

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Auguststr. 80
10117 Berlin
www.asf-ev.de

Die Arbeit des Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.

1958 wurde auf der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland folgender Aufruf verlesen:

"Wir Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg begonnen und schon damit mehr als andere unmeßbares Leiden der Menschheit verschuldet; Deutsche haben in frevlerischem Aufstand gegen Gott Millionen Juden umgebracht. Wer von uns Überlebenden das nicht gewollt hat, der hat nicht genug getan, es zu verhindern (...) Wir haben vornehmlich darum noch keinen Frieden, weil zuwenig Versöhnung ist ... Aber noch können wir, unbeschadet der Pflicht zu gewissenhafter politischer Entscheidung, der Selbstrechtfertigung, der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft entgegensetzten."

Dieser Aufruf war die Gründung der Aktion Sühnezeichen, die seitdem versucht, durch konkrete Freiwilligendienste im In- und Ausland der Versöhnung und damit der Überwindung von Hass, Angst und Gleichgültigkeit etwas näher zu kommen. Dies soll realisiert werden durch konkrete Arbeit in den Ländern, die während des Zweiten Weltkrieges von Deutschland überfallen wurden.

Erste Projekte

Die ersten Projekte begannen 1959. Damals arbeiteten die Freiwilligen vor allem an Bauprojekten mit, z.B. an einer Synagoge in Villeurbanne bei Lyon, oder einer Kirche und einem Blindenheim in Norwegen.

Soziale Arbeit

Ab Mitte der sechziger Jahre trat die soziale Arbeit in den Vordergrund. Die Freiwilligen arbeiten heute bei der Betreuung von Holocaust-Opfern, in Einrichtungen für Behinderte, mit Menschen, die Opfer heutiger gesellschaftlicher Zustände sind und in Gedenkstätten.

Die Arbeit heute

Heute arbeiten etwa 180 ASF-Freiwillige für ein Taschengeld 12 Monate in Israel, Norwegen, in den Niederlanden und in Belgien, in Rußland, Weißrußland, Polen, in der Tschechischen Repulik, in den USA, in Bosnien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Der Friedensdienst mit ASF wird für Wehrdienstverweigerer als sogenannter anderer Dienst im Ausland anerkannt.

Neben den längerfristigen Diensten bietet ASF auch die Möglichkeit zur Mitarbeit in zwei- bis dreiwöchigen Workcamps im In- und Ausland an.

Seit 1979 ist die Evangelische Versöhnungskirche Träger von zwei Freiwilligenstellen.

Die Menschen hinter der Geschichte - Gespräch mit ASF-Freiwilligen

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