Veranstaltungen der Versöhnungskirche

Veranstaltungen

Herbst- und Winterprogramm 2019/2020

Veranstaltungen der KZ-Gedenkstätte Dachau

Das letzte Mahl / Filmgespräch zur „Machtergreifung“ Hitlers 1933

18.11.19 / 19:30   Kino CINEMA, Fraunhoferstraße 5, Dachau

Am Tag der Machtübertragung an Hitler kommt die jüdische Familie Glickstein in Berlin zum gemeinsamen Essen zusammen. Dabei tun sich überraschend Gräben auf: Während die neunzehnjährige Leah ihren Eltern eröffnet, dass sie nach Palästina auswandern wird, möchte ihr achtzehnjähriger Bruder Michael mit seinen Freunden zum Fackelzug der Nazis, die die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler an der Spitze eines „Kabinetts der Nationalen Konzentration“ feiern. Regisseur Florian Frerichs erzählt in seinem mehrfach ausgezeichneten Kinodebüt von der Welt und den Mitgliedern der fiktiven Familie Glickstein. Und vom 30. Januar 1933. Der Tag stellt rückblickend einen der radikalsten Einschnitte in der deutschen Geschichte dar. Was uns an diesem Datum aber im Besonderen bewegt, ist die Tatsache, dass sich damals kaum jemand unter den Zeitgenossen ernsthaft hat vorstellen können, welche monströsen Konsequenzen die Machtübertragung an Hitler durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg haben würde. Schon 1932 war die NSDAP bei freien Wahlen als stärkste Fraktion in den Reichstag eingezogen. Für Michael Degen (87), der das Familienoberhaupt spielt, hat der Film eine ganz persönliche Bedeutung. Geboren wurde er am 31. Januar 1932 in Chemnitz als Sohn jüdischer Eltern. Die Familie zog 1933 nach Berlin. Im September 1939 deportierte die Gestapo seinen Vater. Er überlebte das KZ Sachsenhausen, starb aber kurz nach seiner Entlassung an den Folgen der erlittenen SS-Folter im April 1940. Michael Degen besuchte die Jüdische Schule bis zu ihrer Schließung im Jahr 1942. 1943 beschloss seine Mutter spontan, sich und ihren Sohn vor dem Zugriff der Nazis zu retten. Acht Mal mussten sie auf ihrer Flucht unter falscher Identität das Versteck wechseln, bis sie in einer Laubenkolonie bei nichtjüdischen Freunden bleiben und überleben konnten. 1999 erschienen seine Erinnerungen: „Nicht alle waren Mörder. Eine Kindheit in Berlin“. Ein wichtiger Film in Zeiten, in denen rechtspopulistische und in Teilen offen rechtsradikale und geschichtsrevisionistische Parteien in Deutschland und anderen Ländern Zulauf haben. Nach dem Film (83 Minuten) steht Dr. Stephan Warnatsch, Drehbuchautor und Produzent, für Fragen des Publikums zur Verfügung. Warnatsch ist promovierter Historiker und Geschichtslehrer an einer Berliner Oberschule. Er arbeitete schon bei mehreren Filmprojekten mit seinem früheren Schüler Florian Frerichs zusammen. Das Nachgespräch moderiert Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Kooperation: Runder Tisch gegen Rassismus Dachau, Kreisjugendring Dachau, Cinema Dachau. Kartenreservierungen im Kino unter Tel. 081 31/266 99 – Sonderpreis 5 Euro

Die Maske / Filmgespräch zu den Deutsch-Polnischen Kulturtagen

28.11.19 / 19:30   Kino CINEMA, Fraunhoferstraße 5, Dachau

Der junge, langhaarige Heavy-Metal-Fan Jacek aus der polnischen Provinz fällt auf der Großbaustelle von einem Gerüst mitten hinein in den Sockel der gigantischen Jesusstatue. Im Krankenhaus wacht er nach einer Gesichtstransplantation auf. Die bei der Berlinale 2018 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnete Tragikomödie bewegt sich zwischen bissiger Satire mit staubtrockenem Humor und ernstem Realismus. Jaceks kaputtes Gesicht und seine neue „Maske“ werden zur Projektionsfläche für kaputte Zustände in der polnischen Gesellschaft, denen Malgorzata Szumowska an den Kragen will. Die 1973 in Krakau geborene Regisseurin gehört zu den bekanntesten Filmemachern ihres Landes. „Die Maske“ zeigt eine Welt, die sich hinter einer falschen Moral versteckt, in der Außenseiter wie Jacek ausgegrenzt werden und in der Gefühle wie Empathie nur noch Schattengewächse sind. Nach der Vorführung der deutschen Synchronfassung (91 Min.) diskutiert ein polnisch-deutsches Podium über den Film.

Kooperation: Landratsamt Dachau, Cinema Dachau. Kartenreservierungen im Kino unter Tel. 081 31/266 99 – Sonderpreis 6 Euro

Verleihung des Dachau-Preises für Zivilcourage

08.12.19 / 18:00   Rathaus Dachau, Konrad-Adenauer-Straße 2-6

Der Dachau-Preis für Zivilcourage wurde von der Stadt Dachau 2005 gestiftet. Mit ihm ehrt die Stadt Menschen, „die sich mit Mut, Phantasie und Engagement für die Rechte von Verfolgten und von diskriminierten Minderheiten einsetzen.“ Geehrt wird 2019 Seda Basay-Yildiz. Die türkischstämmige Rechtsanwältin hat im Prozess gegen den rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) Hinterbliebene von Opfern vertreten. Zudem hat sie mutmaßliche islamistische Gefährder verteidigt. Daraufhin wurde sie mehrfach Ziel von Morddrohungen. Seda Basay-Yildiz hat dem Druck standgehalten und engagiert sich weiter auch für Mandanten, die gegen ihre Abschiebung als islamistische Gefährder klagen, in der Überzeugung, dass in einem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung auch für Terrorverdächtige gilt.

Christ aus Leidenschaft / Dokumentarfilm über den Dachauer Priester Karl Leisner

15.12.19 / 15:00   City-Kino 1, Sonnenstraße 12, München

Vor 75 Jahren, am 17. Dezember 1944, wurde im KZ Dachau der Diakon Karl Leisner aus dem Bistum Münster durch den französischen Bischof Gabriel Piguet heimlich zum Priester geweiht. Der Dokumentarfilm von Max Kronawitter, der auch anwesend sein wird, schildert den Werdegang Leisners und beleuchtet die Hintergründe seiner Weihe mit ihren ökumenischen und europäischen Aspekten. Zu Wort kommen in dem 60-minütigem Film Zeitzeugen, Leisners Bruder und die Bischöfe von München, Münster und Clermont.

Kooperation: Katholische Seelsorge. Kartenreservierungen unter LSchmidinger@eomuc.de möglich – Sonderpreis 5 Euro

Der Birnbaum im Pfarrgarten / Vortrag über eine evangelische Gemeinde im Nationalsozialismus und Zeitzeugengespräch

16.01.20 / 19:30   Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Die Christuskirche im Münchner Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg wurde 1899/1900 errichtet. Sie war durch alle Zeiten ein prägender Bau und das geistliche Zentrum für die Protestantinnen und Protestanten im Münchner Westen. Christoph Lindenmeyer beschäftigt sich mit der Geschichte dieser evangelischen Gemeinde in den Jahren 1933-1945. Er wird die Ergebnisse präsentieren, die er in seinem Buch ‚Der Birnbaum im Pfarrgarten‘ im Sommer 2019 veröffentlicht hat. Es sind Dokumente von Mut und Verblendung, von Anpassung und Widerstand, die veranschaulichen, wie schwierig es unter dem Druck der Diktatur war, Christ zu sein und Mensch zu bleiben. Walter Joelsen (geb. 1926), dessen Vater jüdische Wurzeln hatte, wurde nach seinem Schulausschluss als Hilfsjugendwart und Hilfskirchner bei der Christuskirche beschäftigt. Er wird seine Erinnerungen teilen.

Christoph Lindenmeyer, evangelischer Theologe, Honorarprofessor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen

!Nie wieder / Erinnerungstag im deutschen Fußball

24.01.20  -  26.01.20   in den Stadien der beiden Bundesligen

Der Anstoß zur „Initiative Erinnerungstag im deutschen Fußball“ ging 2004 von der Versöhnungskirche aus. In enger Kooperation mit Faninitiativen, dem DFB und der DFL sind zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus rund um den 19. Spieltag Aktionen in den Stadien der beiden Bundesligen geplant.

Nähere Informationen unter www.niewieder.info

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus / Zeitzeugengespräch

27.01.20 / 19:00   Rathaus Dachau, Konrad-Adenauer-Straße 2-6

Der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird in Deutschland seit 1996 als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen. In Dachau ist dazu auch am 75. Jahrestag ein Zeitzeugengespräch geplant.

Trägerkreis NS-Opfer-Gedenktag in Dachau

„Ich konnte mich ja niemandem anvertrauen.“ / Zeitzeugengespräch mit Hilde Grünberg

13.02.20 / 19:30   Klosterkirche Karmel Heilig Blut Dachau, Alte Römerstr. 91

1940 zog Hilde Grünberg (geb. 1936) als Dreijährige mit ihrer Mutter Erika nach München-Haidhausen, wo bereits die Großmutter und Tante Eva wohnten. Der Vater hatte die jüdische Ehefrau verlassen. Zwei Jahre später wurde die Großmutter in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Die Mutter und die Tante wurden aus den bisherigen Berufen entlassen und sollten in einer Munitionsfabrik arbeiten. Hilde Grünberg wurde deshalb als Siebenjährige mit der „Kinderlandverschickung“ zu einer Bauernfamilie in Schwabbruck bei Schongau gebracht, wo sie über ein Jahr in kargen und einsamen Verhältnissen leben musste. Im Sommer 1944 holte Tante Eva sie nach Isen, wo sie wohlbehütet bis zum Kriegsende bleiben konnte. Über ihre Erfahrungen als Kind und über das Schicksal der Familie wird Hilde Grünberg an diesem Abend berichten.

Kooperation: Katholische Seelsorge, Karmel Heilig Blut, Dachauer Forum